Bald ausgestorben
Hunderte teils historisch anmutende Berufe begegnen uns in unserem Alltag und einen davon üben wir selbst aus. Aber nur wenige Berufe sind heute vom Aussterben bedroht und gewisse Berufe sind ganz von der Bildoberfläche verschwunden. Ich nehme euch mit auf eine Reise zurück in die Vergangenheit und möchte in diesem Blog gewisse antike Gewerbe wieder aufleben lassen.
Bader
Los geht’s mit dem Beruf des Baders. Jeder, der den Film „Der Medicus“ mit Ben Kingsley gesehen hat, müsste jetzt ein AHA! von sich geben. Der Bader war nämlich der „praktizierende Arzt“ im Mittelalter, also jener, der auch tatsächlich Hand anlegte. Meist zuständig für Wunden und deren Versorgung sowie Körperpflege, konnten Sie auch ganze Badestuben betreiben. Nicht zu vergessen der berühmte „Aderlass.“
Köhler
Auf dem Beitragsbild ist ein sogenannter Kohlemeiler ersichtlich. Ja, das war dazumal noch mühsame Handarbeit, normale Holzkohle herzustellen. Das Holz wurde im Meiler verschwelt, zurück bleibt das Kohlenstoffgerüst des Holzes, unsere Holzkohle. Damals einer der wichtigsten Energieträger, heute noch zum Grillen verwendet. Die Umwelt dankts.
Abdecker
Auch Wasenmeister oder Schinder genannt, war eine eher geächtete Person. In Ihrer Umgebung stank es fürchterlich, daher wohnte sie eher am Stadtrand oder gar ausserhalb der Stadt oder Siedlung. Der Abdecker verwertete Tierkadaver, unter anderem die Haut, die er dem Tier abzog. Daher die Bezeichnung Abdecker. Andere Produkte, die er herstellte waren Leim aus Knochen oder Seife aus dem Tierfett.
Abdecker und Scharfrichter waren vielmals die gleichen Personen.
Schindelmacher
Auch schlicht Schindler genannt, hat in Handarbeit die Holzschindeln für die Fassade oder das Dach geschlagen. Ganz wenige Schindler sind uns bis heute noch erhalten geblieben.
Heinzler, Kärner
Eine Hommage an unsere LKW Fahrer, die mit ihrem motorisierten Fuhrwerk Waren von A nach B transportieren, denn dies tat der Heinzler auch. Der Fuhrmann, diese Bezeichnung ist wahrscheinlich geläufiger, war jemand, der mit seinem Gespann Waren transportierte. Meist mit Hilfe von einer oder zwei Pferdestärken (PS), also dem Pferd oder aber auch Ochsen waren gängige Zugmaschinen.
Abenteurer
Nein, damit sind keine Piraten, Freigeister oder Robinson Crusoe gemeint. Diese Berufsbezeichnung gab es wirklich. Früher wurden Hausierer oder auch Spielleute so bezeichnet. Da sie sehr weit umhergekommen sind, mussten sie ja viele Abenteuer erlebt haben.
Nadler
Als ich diese Bezeichnung zum Beruf dass ersten Mal gehört habe, war das erste Wort, welches mir einfiel: Drogen! Zugegeben, so spektakulär wie meine Herleitung auch sein mag, so pragmatisch ist der Beruf, der hinter dem Wort „Nadler“ steckt. Dieser Handwerkerprofi stellte nämlich – TROMMELWIRBEL – Nadeln her. Nähnadeln, Stricknadeln, Stecknadeln aber auch kleine Haken, Ringe für Kettenhemden und vieles mehr. Überdauert hat dieser Beruf bis in die heutige Gegenwart. Viele von uns haben eher den Begriff „Drahtzieher“ schon einmal gehört. Dies ist die neuzeitliche Bezeichnung für Nadler.
Dantler
Hätte der Dantler heute eine eigene Firma, dann wäre es eine Brockenstube. Auch findet man ihn heute noch an Floh-/Trödelmärkten – ein klassischer Trödelhändler.
Bartenhauer
Das Produkt dieses Profis findet heute noch Verwendung– genau genommen im Vatikan, wenn auch nur zu traditionellen Zwecken. Die Rede ist von der Hellebarde und der Bartenhauer stellte diese her. Natürlich nicht nur, sondern auch die Pike, der Rossschinder sowie Streitäxte und Beile befanden sich in seinem Produktekatalog.
Küfer / Böttcher
An alle Wein und Bierliebhaber; An Ihm kommt keiner vorbei! Der Küfer ist nämlich derjenige, der die Holzfässer herstellt. Auch dieser Beruf beehrt uns heute noch.
Stellmacher / Wagner
Auch dieser Beruf ist heute noch vereinzelt vertreten. Der Wagner, wer hätte es geahnt, fertigte Wagenräder an sowie ganze Kutschen.
Blaufärber
Eine Person in diesem Gewerk färbte Tuche und andere Stoffe, meist mit Indigoblau. Diese Farbe galt dazumal als besonders Edel. Ebenso wurden die verschiedensten Motive aufgedruckt. Ich meine, bei unseren nördlichen Nachbarn gibt es sicher noch eine Manufaktur nach altem Handwerk.
Zapfenpflücker
Eine Person dieses Berufes kletterte in die Bäume zu den Tannenzapfen zur Saatgewinnung. Dieser Beruf wird heute noch ausgeübt, zum Wohl unserer Wälder und deren Fortbestand.
Stärrbäcker
Nun ja, da könnte man jetzt vieles hinein intepretieren, jedoch lag die Dienstleistung des Angehörigen dieses Berufsstandes naheliegend. Er war nämlich tatsächlich Bäcker aber backte ausschliesslich nur Brot. Nix da mit frischen Sandwiches oder feinem Süssgebäck. Die Hausfrauen bereiteten den Teig zuhause vor und liessen diesen dann von Stärrbäcker gegen Lohn backen.
Schweizer
Nicht nur eine Nationalität, sondern auch die Berufsbezeichnung von in der Schweiz typisch vorkommenden Berufen wie Senn, Melker, Knechte aus der Landwirtschaft aber auch Söldner. Schweizer waren im Mittelalter gefürchtete Söldner, dies war unter anderem auch ein Grund, warum 1506 die erste Schweizer Garde gegründet wurde.
Kabuzenbauer
Ein bisschen kniffliger wird es jetzt, wenn man erraten müsste, womit der Kabuzenbauer sein Unterhalt verdiente. Ich sags ganz trocken und übersetze gerne in die Gegenwart: Er baute Kohl an. Also ein Kohlgärtner. Hätten Sie es gewusst? Ich stand sprichwörtlich auf dem Schlauch.
Stirnstosser
Wenn ich Ihnen gleich sage, was dieser gute Mann getan hat, dann klingt das wie ein Flachwitz. Er war ein Schleierverkäufer.
Fortsetzung folgt…